Wann wurde Jesus wirklich geboren?

In der Adventszeit befinden sich die meisten Kirchengemeinden in einem Countdown zur Geburtstagsfeier von Jesus: sie zĂ€hlen die Tage bis Weihnachten. Es ist nicht ungewöhnlich wĂ€hrend dieser Zeit im Jahr von Diskussionen zu hören, die sich damit beschĂ€ftigen ob der 24. Dezember der richtige Tag ist, um die Geburt von Jesus Christus zu feiern und, ob es angebracht ist, diesen Tag ĂŒberhaupt zu feiern. Die Suche nach dem genauen Jahr, Monat und Tag der Geburt Jesu ist nicht neu. Theologen beschĂ€ftigen sich damit seit etwa zweitausend Jahren und hier sind einige ihrer Ideen.

  • Clemens von Alexandria (um 150-220) benannte verschiedene mögliche Daten, darunter der 18. November, 6. Januar und der Tag des Passahfestes, der abhĂ€ngig vom Jahr am 21. MĂ€rz, 24. / 25. April oder am 20. Mai war.
  • Sextus Iulias Africanus (um 160-240) nannte den 25. MĂ€rz.
  • Hippolyt von Rom (170-235), ein JĂŒnger von IrenĂ€us, nannte in seinem Kommentar zum Buch Daniel zwei verschiedene Tage: “Die erste Erscheinung unseres Herrn in Fleisch fand in Bethlehem acht Tage vor dem Kalender des Januars (25. Dezember), am vierten Tag (Mittwoch), unter der Herrschaft von Augustus im Jahr 5500 statt.“ In einem anderen Dokument und in einer Einschreibung einer Statue von Hippolyt wird der 2. April als Datum genannt.
  • Laut Aussagen des jĂŒdischen Historikers Flavius Josephus platzieren manche die Geburt von Jesus in den Zeitraum vom 12. MĂ€rz bis 11. April im Jahr 4 vor Christus, da Christus vor dem Tod von Herodes geboren wurde.
  • Johannes Chrysostomos (um 347-407) nannte den 25. Dezember als Geburtsdatum.
  • In den Berechnungen der Passion, einem anonymen Werk aus wahrscheinlich nordafrikanischer Herkunft wird der 28. MĂ€rz genannt.
  • Augustinus (354-430) schreibt in De Trinitate, dass “es geglaubt wird, dass er am 25. MĂ€rz empfangen wurde. An dem Tag, an dem er auch litt und nach der Tradition am 25. Dezember geboren wurde“.
  • Messianische Juden nennen mehrere mögliche Geburtstage. Die am meisten vertretenden Überlegungen sind an die priesterlichen Gottesdienste angelehnt (genauer: “von der Ordnung Abija“ (Lk 1,5). Diese Herangehensweise fĂŒhrt dazu, dass sie die Geburt von Jesus an dem Sukkot / LaubhĂŒttenfest festmachen. Seine Beschneidung habe am achten Tag der Festlichkeiten stattgefunden.

Es ist interessant darĂŒber zu spekulieren, dass Jesus wĂ€hrend des Passah oder des LaubhĂŒttenfestes geboren (oder empfangen) sein könnte. Ich mag die Idee, dass Jesus das Werk des Todesengels umgekehrt hat, wenn es wĂ€hrend des Passahfestes stattgefunden hat. Es wĂŒrde eine befriedigende Symmetrie in seiner Ankunft entstehen, wenn er wĂ€hrend des LaubhĂŒttenfestes empfangen oder geboren wurde. Allerdings gibt es nicht ausreichend Beweise, um sicher zu sein, an welchem Tag Jesus auf die Erde kam, aber vielleicht kann man ja mit den wenigen BeweisstĂŒcken, die uns zur VerfĂŒgung stehen, eine gute SchĂ€tzung veranschlagen.

In Lukas 2,1-5 können wir nachlesen, dass der Kaiser Augustus einen Beschluss ĂŒber die Besteuerung des römischen Reiches erlassen hat und deshalb jedermann in seine eigene Stadt zurĂŒckkehren sollte, um diese Steuer zu bezahlen. Auch Joseph und Maria kehrten nach Bethlehem, dem Geburtsort von Jesus, zurĂŒck. Es ist anzunehmen, dass solch eine VolkszĂ€hlung nicht zu irgendeinem Zeitpunkt in der Geschichte stattgefunden hat. Schliesslich hĂ€tte sie nicht mit der Erntezeit ĂŒbereinstimmen sollen. Es kann auch angenommen werden, dass eine solche ZĂ€hlung nicht im Winter verordnet worden wĂ€re, wenn das Wetter die Reise erschwert hĂ€tte. Im FrĂŒhjahr wurde das Land bestellt. Möglicherweise ist der Herbst, nach der Erntesaison, ein Zeitpunkt fĂŒr eine solche VolkszĂ€hlung gewesen und deshalb auch der Zeitpunkt fĂŒr die Geburt von Jesus. Allerdings geht aus den biblischen Texten nicht eindeutig hervor, wie lange Maria und Josef in Bethlehem blieben. Möglicherweise wurde Jesus auch mehrere Wochen nach der VolkszĂ€hlung geboren. Letztlich können wir das Geburtsdatum von Jesus nicht mit Sicherheit bestimmen. Spötter klammern sich an diese Unsicherheit und behaupten, dass alles nur ein Mythos sei und dass es Jesus nie gab. Doch auch wenn das Geburtsdatum von Jesus nicht eindeutig benannt werden kann, basiert seine Geburt auf historisch ĂŒberprĂŒfbaren Begebenheiten.

Der biblische Wissenschaftler F. F. Bruce sagt folgendes ĂŒber Zweifler:
“Manche Schreiber spielen mit dem Gedanken an den Christus-Mythos, aber sie tun es nicht aufgrund der historischen Beweise. Die HistorizitĂ€t von Christus ist axiomatisch, das heisst, sie ist weder beweisbar, noch bedarf sie eines Beweises genauso wie die HistorizitĂ€t von Julius Caesar. Es sind nicht die Historiker, die den Christus-Mythos propagieren“ (in The New Testament Documents, S. 123).

Die Menschen aus der Zeit von Jesus wussten aufgrund der Prophezeiungen, wann sie den Messias zu erwarten hatten. Aber weder die Prophezeiungen, noch die Evangelien, legen ein genaues Datum fĂŒr die Ankunft des Messias fest, auch wenn moderne Historiker sich dies wĂŒnschen. Es ist nicht das Ziel der Bibel, uns einen genauen Zeitpunkt zu nennen, denn sie kann “dich unterweisen [...] zur Seligkeit durch den Glauben an Christus Jesus“ (2. Tim 3,15).

Das Hauptaugenmerk der Schreiber des Neuen Testamentes ist nicht der Tag von Jesu Geburt, sondern, dass Gott, der Vater, seinen eigenen Sohn zur genau richtigen Zeit in der Geschichte auf die Erde gesandt hat, um seine Versprechen einzulösen und Errettung zu bringen.

Der Apostel Paulus sagte:
„Als aber die Zeit erfĂŒllt war, sandte Gott seinen Sohn, geboren von einer Frau und unter das Gesetz getan, damit er die, die unter dem Gesetz waren, erlöste, damit wir die Kindschaft empfingen“ (Gal 4,4-5). Im Markusevangelium lesen wir: “Nachdem aber Johannes gefangen gesetzt war, kam Jesus nach GalilĂ€a und predigte das Evangelium Gottes und sprach: Die Zeit ist erfĂŒllt und das Reich Gottes ist herbeigekommen. Tut Busse und glaubt an das Evangelium!“ (Mk 1,14-15).

Das Wissen ĂŒber das genaue Datum von Christi Geburt ist historisch gesehen zwar interessant, aber theologisch völlig irrelevant. Wir mĂŒssen nur wissen, dass es passiert ist und warum er geboren wurde. Diese Fragen beantwortet die Bibel eindeutig. Lassen Sie uns diesen Blick fĂŒr die Adventszeit beibehalten und uns nicht auf kleine Details konzentrieren.

von Joseph Tkach


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