Lehren wir die Allversöhnung?

348 lehren wir die allversoehnungManche Menschen behaupten, dass die Theologie der Dreieinigkeit einen Universalismus lehre, d.h. die Annahme, dass jeder Mensch errettet werden wird. Denn es ist ganz gleich, ob er gut oder böse, reumütig oder nicht ist oder ob er Jesus angenommen oder verneint hat. So gebe es auch keine Hölle. 

Mir stellen sich zwei Schwierigkeiten bei dieser Behauptung, welche ein Trugschluss ist:
Zum einen erfordert der Glaube an die Dreieinigkeit nicht, dass man an die Allversöhnung glaubt. Der berühmte Schweizer Theologe Karl Barth lehrte nicht den Universalismus und ebenso wenig die Theologen Thomas F. Torrance und James B. Torrance. In der Grace Communion International (WKG) lehren wir die Theologie der Dreieinigkeit, aber nicht die Allversöhnung. Auf unserer amerikanischen Internetseite steht dazu Folgendes: Allversöhnung ist die falsche Annahme, die behauptet, dass am Ende der Welt alle Seelen menschlicher, engelhafter und dämonischer Natur durch die Gnade Gottes errettet werden. Manche Universalisten gehen sogar soweit, dass sie der Meinung sind, dass Reue gegenüber Gott und der Glaube an Jesus Christus nicht notwendig seien. Universalisten verneinen die Doktrin der Dreieinigkeit und viele Menschen, die an die Allversöhnung glauben, sind Unitarier.

Keine erzwungene Beziehung

Im Gegensatz zur Allversöhnung lehrt die Bibel, dass man nur durch Jesus Christus errettet werden kann (Apg 4,12). Durch ihn, der von Gott für uns auserwählt ist, ist die ganze Menschheit auserwählt. Doch das bedeutet letztlich nicht, dass alle Menschen dieses Geschenk Gottes annehmen werden. Gott sehnt sich danach, dass alle Menschen reumütig sind. Er hat die Menschen geschaffen und sie für eine lebendige Beziehung mit ihm durch Christus erlöst. Eine echte Beziehung kann niemals erzwungen werden!

Wir glauben, dass Gott durch Christus eine gütige und gerechte Vorsorge für alle Menschen, sogar für diejenigen, die bis zu ihrem Tod nicht an das Evangelium geglaubt haben, geschaffen hat. Trotzdem sind diejenigen, die Gott aufgrund ihrer eigenen Wahl ablehnen, nicht errettet. Achtsame Leser der Bibel erkennen beim Bibelstudium, dass wir nicht die Möglichkeit ausschliessen können, dass jeder Mensch am Ende reumütig sein wird und deshalb Gottes Geschenk der Erlösung erhalten könnte. Allerdings sind die Bibeltexte darin nicht schlüssig und aus diesem Grund sind wir über dieses Thema nicht dogmatisch.

Die andere Schwierigkeit, die sich stellt, ist folgende:
Warum sollte die Möglichkeit, dass alle Menschen gerettet werden, eine ablehnende Haltung und den Vorwurf der Irrlehre hervorrufen? Selbst das Glaubensbekenntnis der frühen Gemeinde war bezüglich des Glaubens an die Hölle nicht dogmatisch. Die biblischen Metaphern sprechen von Flammen, äusserster Dunkelheit, Heulen und Zähneklappern. Sie stellen den Zu stand dar, der eintritt, wenn ein Mensch für immer verloren ist und in einer Welt lebt, in der er sich von seinem Umfeld abgrenzt, sich den Sehnsüchten seines eigenen egoistischen Herzens hingibt und bewusst die Quelle aller Liebe, Güte und Wahrheit ablehnt.

Nimmt man diese Metaphern wörtlich, so sind sie furchterregend. Allerdings sollen Metaphern nicht wörtlich genommen werden, sie sind lediglich dafür gedacht, verschiedene Aspekte eines Themas darzustellen. Durch sie können wir jedoch erkennen, dass die Hölle, ob sie existiert oder nicht, kein Ort ist, an dem man sich gern aufhalten möchte. Den leidenschaftlichen Wunsch zu hegen, dass alle Menschen oder die Menschheit errettet werden oder wird und niemand die Qualen der Hölle erleiden muss, macht einen Menschen nicht automatisch zum Ketzer.

Welcher Christ würde nicht wollen, dass jeder Mensch, der jemals gelebt hat, umkehrt und die vergebende Versöhnung mit Gott erfährt? Der Gedanke, dass die ganze Menschheit durch den Heiligen Geist verändert wird und zusammen im Himmel sein wird, ist ein wünschenswerter. Und genau das wünscht sich Gott! Er möchte, dass alle Menschen zu ihm umkehren und nicht die Konsequenzen, die ein Verwerfen seines Liebesangebotes innehaben, erleiden müssen. Gott sehnt sich danach, weil er die Welt und alles, was darinnen ist, liebt: „Denn also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, damit alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben” (Joh 3,16). Gott fordert uns dazu auf, unsere Feinde so zu lieben, wie Jesus selbst Judas Iskariot, seinem Verräter, beim letzten Abendmahl (Joh 13,1;26) gedient und ihn am Kreuz (Lk 23,34) geliebt hat.

Von innen verschlossen?

Trotzdem garantiert die Bibel nicht, dass alle Menschen die Liebe Gottes akzeptieren werden. Sie warnt sogar davor, dass es sehr wohl möglich ist, dass manche Menschen Gottes Angebot der Vergebung und die damit verbundene Erlösung und Annahme verneinen. Allerdings ist es schwierig zu glauben, dass jemand eine solche Entscheidung treffen würde. Und es ist noch unvorstellbarer, dass jemand das Angebot einer liebevollen Beziehung mit Gott ausschlagen würde. C. S. Lewis beschrieb in seinem Buch Die Grosse Scheidung: „Ich glaube bewusst daran, dass die Verdammten auf eine bestimmte Art bis zum Ende erfolgreiche Rebellen sind; dass die Türen der Hölle von innen verschlossen sind.“

Gottes Wunsch für jeden Menschen

Universalismus sollte nicht mit dem universellen oder kosmischen Ausmass der Wirksamkeit dessen, was Christus für uns getan hat, missverstanden werden. Durch Jesus Christus, dem von Gott Auserwählten, ist die gesamte Menschheit auserwählt. Dies bedeutet zwar NICHT, dass wir sicher sagen können, dass alle Menschen letztlich dieses Geschenk Gottes annehmen werden, aber wir können auf jeden Fall darauf hoffen.

Der Apostel Petrus schreibt hierzu: „Der Herr verzögert nicht die Verheissung, wie es einige für eine Verzögerung halten; sondern er hat Geduld mit euch und will nicht, dass jemand verloren werde, sondern dass jedermann zur Busse finde“ (2. Petr 3,9). Gott hat alles für ihn mögliche getan, um uns von den Qualen der Hölle zu befreien.

Doch am Ende wird Gott nicht die bewusst getroffene Entscheidung derer verletzen, die seine Liebe bewusst ablehnen und sich von ihm abkehren. Denn um sich über deren Gedanken, Willen und Herzen hinweg zu setzen, müsste er ihre Menschlichkeit rückgängig machen und sie nicht geschaffen haben. Würde er dies tun, dann würde es keine Menschen geben, die das kostbarste Gnadengeschenk Gottes – ein Leben in Jesus Christus – annehmen könnten. Gott hat die Menschheit geschaffen und sie dafür errettet, dass sie eine wahrhaftige Beziehung zu ihm eingehen können und diese Beziehung kann nicht erzwungen werden.

Nicht alle sind mit Christus vereint

Die Bibel verwischt den Unterschied zwischen einem Gläubigen und einem Ungläubigen nicht und wir sollten es auch nicht tun. Wenn wir sagen, dass allen Menschen vergeben wurde, sie durch Christus errettet wurden und mit Gott versöhnt sind, bedeutet dies, dass während wir alle zu Christus gehören, stehen noch nicht alle in einer Beziehung mit ihm. Während Gott alle Menschen mit sich versöhnt hat, haben noch nicht alle Menschen diese Versöhnung angenommen. Deshalb sagte der Apostel Paulus „Denn Gott war in Christus und versöhnte die Welt mit sich selber und rechnete ihnen ihre Sünden nicht zu und hat unter uns aufgerichtet das Wort von der Versöhnung. So sind wir nun Botschafter an Christi statt, denn Gott ermahnt durch uns; so bitten wir nun an Christi statt: Lasst euch versöhnen mit Gott!” (2. Kor 5,19-20). Aus diesem Grund verurteilen wir Menschen nicht, sondern teilen ihnen mit, dass die Versöhnung mit Gott durch Christus vollendet wurde und als Angebot für jeden bereit steht.

Unser Anliegen sollte ein lebendiges Zeugnis sein, indem wir die biblischen Wahrheiten über den Charakter Gottes – das sind seine Gedanken und sein Mitgefühl für uns Menschen – in unserem Umfeld weitergeben. Wir lehren die allumfassende Herrschaft Christi und hoffen auf eine Versöhnung mit allen Menschen. Die Bibel berichtet uns davon, wie Gott sich selbst danach sehnt, dass alle Menschen in Reue zu ihm kommen und seine Vergebung annehmen – eine Sehnsucht, die auch wir verspüren.

von Joseph Tkach


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