Das Abendmahl des Herrn

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Das Abendmahl des Herrn ist ein Gedächtnis dessen, was Jesus in der Vergangenheit getan hat, ein Symbol unserer jetzigen Beziehung mit ihm und eine Verheissung, was er in der Zukunft tun wird. Immer, wenn wir das Abendmahl feiern, nehmen wir Brot und Wein zum Gedenken an unseren Erlöser und verkünden seinen Tod, bis er kommt. Das Abendmahl ist Teilhabe am Tod und der Auferstehung unseres Herrn, der seinen Leib hingab und sein Blut vergoss, damit uns vergeben werden kann. (1. Korinther 11,23-26; 10,16; Matthäus 26,26-28)

Das Abendmahl erinnert uns an Jesu Tod am Kreuz

Am Abend, als er verraten wurde, während Jesus mit seinen Jüngern ein Mahl zu sich nahm, nahm er Brot und sagte: „Das ist mein Leib, der für euch gegeben wird; das tut zu meinem Gedächtnis“ (Lk 22,19). Jeder von ihnen ass ein Stückchen Brot. Wenn wir am Abendmahl des Herrn teilnehmen, isst jeder von uns ein Stück Brot zum Gedächtnis an Jesus.

„Desgleichen auch den Kelch nach dem Mahl uns sprach: Dieser Kelch ist der neue Bund in meinem Blut, das für euch vergossen wird“ (V. 20). Wenn wir beim Abendmahl einen kleinen Schluck Wein nehmen, erinnern wir uns daran, dass Jesu Blut für uns vergossen wurde, und dass dieses Blut den neuen Bund bedeutete. Genauso wie der alte Bund durch das Sprengen von Blut besiegelt wurde, wurde der neue Bund durch das Blut Jesu aufgerichtet (Hebr 9,18-28).

Wie Paulus sagte: „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Blut trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1Kor 11,26). Das Abendmahl des Herrn schaut zurück zum Tod Jesu Christi am Kreuz.

Ist Jesu Tod eine gute oder eine schlechte Sache? Es gibt sicherlich einige sehr traurige Aspekte in Bezug auf seinen Tod, aber das grössere Bild besteht darin, dass sein Tod die beste Nachricht ist, die es gibt. Sie zeigt uns, wie sehr Gott uns liebt – so sehr, dass er seinen Sohn sandte, um für uns zu sterben, damit unsere Sünden vergeben werden können und wir für immer mit ihm leben können.

Der Tod Jesu ist ein gewaltig grosses Geschenk für uns. Es ist kostbar. Wenn uns ein Geschenk von grossem Wert gegeben wird, ein Geschenk, das ein grosses Opfer für uns miteinschloss, wie sollten wir es empfangen? Mit Trauer und Bedauern? Nein, dass ist es nicht, was der Geber möchte. Vielmehr sollten wir es mit grosser Dankbarkeit annehmen, als einen Ausdruck von grosser Liebe. Wenn wir Tränen vergiessen, dann sollten es Freudentränen sein.

So ist das Abendmahl des Herrn, obwohl es eine Erinnerung an einen Tod ist, kein Begräbnis, als ob Jesus immer noch Tod wäre. Ganz im Gegenteil – wir feiern dieses Gedächtnis im Wissen, dass der Tod Jesus nur drei Tage festhielt – im Wissen, dass der Tod auch uns nicht für immer festhalten wird. Wir freuen uns, dass Jesus den Tod besiegt hat, und hat alle frei gemacht hat, die durch Furcht vor dem Tod versklavt waren (Hebr 2,14-15). Wir können uns an Jesu Tod mit dem frohen Wissen erinnern, dass er über Sünde und Tod triumphiert hat! Jesus sagte, dass unsere Trauer sich in Freude verwandeln wird (Joh 16,20). Zum Tisch des Herrn zu kommen und Gemeinschaft zu haben sollte eine Feier sein, kein Begräbnis.

Die alten Israeliten schauten zurück auf die Ereignisse des Passa als definierenden Moment in ihrer Geschichte, der Zeit, als ihre Identität als eine Nation begann. Es war zu der Zeit, als sie durch die mächtige Hand Gottes dem Tode und der Sklaverei entkamen, und befreit wurden, um dem Herrn zu dienen. In der christlichen Kirche schauen wir zurück auf die Ereignisse, die sich um die Kreuzigung und Auferstehung Jesu als definierenden Moment in unserer Geschichte ranken. Dadurch entkommen wir dem Tode und der Sklaverei der Sünde, und dadurch werden wir befreit, um dem Herrn zu dienen. Das Abendmahl des Herrn ist ein Gedächtnis an diesen definierenden Moment in unserer Geschichte.

Das Abendmahl symbolisiert unsere gegenwärtige Beziehung mit Jesus Christus

Die Kreuzigung Jesu hat eine andauernde Bedeutung für alle, die ein Kreuz auf sich genommen haben, um ihm nachzufolgen. Wir fahren fort, Anteil an seinem Tod und am neuen Bund zu haben, weil wir an seinem Leben teilhaben. Paulus schrieb: „Der gesegnete Kelch, den wir segnen, ist das nicht die Gemeinschaft des Blutes Christi? Das Brot, das wir brechen, ist das nicht die Gemeinschaft des Leibes Christi?“ (1Kor 10,16). Durch das Abendmahl des Herrn zeigen wir, dass wir an Jesus Christus Anteil haben. Wir haben mit ihm Gemeinschaft. Wir werden mit ihm vereint.

Das Neue Testament spricht von unserer Teilhabe an Jesu auf verschiedene Weise. Wir haben Anteil an seiner Kreuzigung (Gal 2,20; Kol 2,20), seinem Tod (Röm 6,4), seiner Auferstehung (Eph 2,6; Kol 2,13; 3,1) und seinem Leben (Gal 2,20). Unser Leben ist in ihm, und er ist in uns. Das Abendmahl des Herrn symbolisiert diese geistliche Wirklichkeit.

Das Kapitel 6 des Johannesevangeliums vermittelt uns ein ähnliches Bild. Nachdem Jesus sich selber als das „Brot des Lebens“ verkündigt hatte, sagte er: „Wer mein Fleisch isst, und mein Blut trinkt, der hat das ewige Leben, und ich werde ihm am Jüngsten Tage auferwecken“ (Joh 6,54). Es ist entscheidend, dass wir unsere geistliche Speise in Jesus Christus finden. Das Abendmahl des Herrn zeigt diese fortwährende Wahrheit. „Wer mein Fleisch isst und mein Blut trinkt, der bleibt in mir und ich in ihm“ (V. 56). Wir zeigen, dass wir in Christus leben und er in uns.

So hilft uns das Abendmahl des Herrn nach oben zu schauen, zu Christus, und wir werden uns bewusst, dass das wahre Leben nur in ihm und mit ihm sein kann.

Aber wenn wir uns bewusst sind, dass Jesus in uns lebt, dann halten wir auch inne und denken darüber nach, welche Art von Heim wir ihm bieten. Bevor er in unser Leben kam waren wir eine Behausung für die Sünde. Jesus wusste das, bevor er überhaupt an die Tür unseres Lebens anklopfte. Er möchte hereinkommen, damit er mit dem Aufräumen anfangen kann. Aber wenn Jesus anklopft, dann versuchen viele eine schnelle Aufräumaktion zu machen, bevor sie die Tür öffnen. Wir sind als Menschen jedoch nicht in der Lage, unsere Sünden zu reinigen – das Beste, das wir tun können ist es, sie im Schrank zu verstecken.

So verstecken wir unsere Sünden im Schrank und laden Jesus in das Wohnzimmer ein. Schliesslich in die Küche, dann in den Flur, und dann in das Schlafzimmer. Es ist ein schrittweiser Prozess. Schliesslich kommt Jesus zum Schrank, wo unsere schlimmsten Sünden versteckt sind, und er reinigt auch diese. Von Jahr zu Jahr, während wir an geistlicher Reife wachsen, übergeben wir mehr und mehr von unserem Leben an unseren Erlöser.

Es ist ein Prozess und das Abendmahl des Herrn spielt in diesem Prozess eine Rolle. Paulus schrieb: „Der Mensch prüfe aber sich selbst, und so esse er von diesem Brot und trinke aus diesem Kelch“ (1Kor 11,28). Jedes Mal, wenn wir teilnehmen, sollten wir uns prüfen, im Bewusstsein der grossen Bedeutung, die in dieser Zeremonie liegt.

Wenn wir uns prüfen, finden wir oft Sünde vor. Das ist normal – es ist kein Grund, das Abendmahl des Herrn zu meiden. Es ist einfach eine Erinnerung, dass wir Jesus in unserem Leben brauchen. Nur er kann unsere Sünden wegnehmen.

Paulus kritisierte Christen in Korinth für die Art und Weise, wie sie das Abendmahl des Herrn feierten. Die wohlhabenden Menschen kamen zuerst, sie assen sich satt und wurden sogar betrunken. Die armen Mitglieder kamen zum Schluss, und blieben noch hungrig. Die Reichen teilten nicht mit den Armen (V. 20-22). Sie teilten nicht wirklich das Leben Christi, denn sie taten nicht das, was er tun würde. Sie verstanden nicht, was es bedeutet, Glieder des Leibes Christi zu sein, und dass die Mitglieder Verantwortung füreinander hatten.

Während wir uns also selbst prüfen, müssen wir um uns herumschauen, um zu sehen, ob wir einander in der Art und Weise behandeln, die Jesus Christus befohlen hat. Wenn Sie mit Christus vereint sind und ich mit Christus vereint bin, dann sind wir in der Tat auch miteinander verbunden. So versinnbildlicht das Abendmahl des Herrn, indem es unsere Teilhabe an Christus symbolisiert, auch unsere Teilhabe (andere Übersetzungen nennen es Kommunion oder Teilen oder Gemeinschaft) aneinander.

Wie Paulus in 1. Korinther 10,17 sagte: „Denn ein Brot ist’s: So sind wir viele ein Leib, weil wir alle an einem Brot teilhaben.“ Indem wir zusammen am Abendmahl des Herrn teilnehmen, stellen wir die Tatsache dar, dass wir ein Leib in Christus sind, miteinander verbunden, mit Verantwortung füreinander.

Bei Jesu letztem Abendmahl mit seinen Jüngern stellte Jesus das Leben von Gottes Reich dar, indem er den Jüngern die Füsse wusch (Joh 13,1-15). Als Petrus protestierte, sagte Jesus, dass es notwendig war, dass er seine Füsse wusch. Das christliche Leben umfasst beides – Dienen und bedient werden.

Das Abendmahl des Herrn erinnert uns an Jesu Rückkehr

Drei Autoren der Evangelien sagen uns, dass Jesus von der Frucht des Weinstocks nicht mehr trinken würde, bis er in der Fülle des Reiches Gottes kommen würde (Mt 26,29; Lk 22,18; Mk 14,25). Jedes Mal, wenn wir teilnehmen, werden wir an Jesu Verheissung erinnert. Es wird ein grosses messianisches „Bankett“ geben, ein feierliches „Hochzeitsmahl“. Das Brot und der Wein sind „Proben“ von dem, was die grösste Siegesfeier in der ganzen Geschichte sein wird. Paulus schrieb: „Denn sooft ihr von diesem Brot esst und von diesem Kelch trinkt, verkündigt ihr den Tod des Herrn, bis er kommt“ (1Kor 11,26).

Wir schauen stets nach vorne, wie auch zurück und nach oben, nach innen und um uns herum. Das Abendmahl des Herrn ist reich an Bedeutung. Deswegen ist es über die Jahrhunderte ein prominenter Teil der christlichen Tradition gewesen. Freilich, manchmal hat man es zu einem leblosen Ritual verkommen lassen, das man mehr als Gewohnheit hielt, statt mit tiefer Bedeutung feierte. Wenn ein Ritual bedeutungslos wird, überreagieren einige Leute, indem sie mit dem Ritual gänzlich aufhören. Die bessere Antwort ist die Bedeutung wiederherzustellen. Deswegen ist es hilfreich, dass wir uns neu vor Augen führen, was wir symbolisch tun.

Joseph Tkach


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