Sich entscheiden, auf Gott zu schauen

Moses war ein sanftmütiger Mann. Gott wählte ihn aus, um Israel aus Ägypten zu leiten. Er teilte das Rote Meer. Gott gab ihm die Zehn Gebote. Die Leute der Zelte, die ab und zu einen Blick von Moses erhaschten, als er an ihnen vorbei ging, sagten wahrscheinlich: Das ist er. Das ist Mose. Er ist der Eine. Er ist Gottes Diener. Er ist ein grosser und mächtiger Mann.“ Aber was wäre, wenn das einzige Mal, an dem sie Mose sahen, dasjenige war, als er so aufgebracht war und mit dem Stab an den Felsen schlug. Würden sie dann denken Was für ein wütender Mann. Wie kann Gott ihn jemals gebrauchen?“ David war ein Mann nach dem Herzen Gottes. Er suchte nach Gottes Willen, um sein Leben danach zu gestalten. Mit göttlicher Sicherheit, tötete er den Riesen Goliath. Er schrieb Psalmen. Gott wählte ihn aus, um durch ihn Saul als König zu ersetzen. Wenn David durch das Königreich schritt und die Menschen einen Blick von ihm erhaschten, sagten sie wahrscheinlich: Da ist er. Das ist König David. Er ist der Diener Gottes. Er ist ein grosser und mächtiger Mann!. Aber was wäre, wenn das einzige Mal, an dem sie David sahen, dasjenige war, als er ein geheimes Rendezvous mit Bathseba hatte? Oder als er ihren Mann Uriah an die Front des Krieges schickte, damit er getötet wird? Würden sie dann sagen Was für ein ungerechter Mann! Wie böse und unsensibel er ist!“ Wie kann Gott ihn jemals gebrauchen?

Elia war ein berühmter Prophet. Er sprach mit Gott. Er gab Gottes Wort an die Menschen weiter. Er rief Feuer vom Himmel auf die Erde. Er demütigte die Propheten von Baal. Wenn die Menschen einen Blick von Elia erhaschten, würden sie voll Bewunderung sagen: Das ist Elia. Er ist ein grosser und mächtiger Mann. Er ist ein wahrer Diener Gottes. Aber was wäre, wenn das einzige Mal, bei dem sie Elia sahen, jenes war, als er vor Isebel floh oder als er sich vor Angst um sein Leben in einer Höhle versteckte. Würden sie dann sagen: Was für ein Feigling! Er ist ein Waschlappen. Wie kann Gott ihn jemals gebrauchen?“

Wie konnten diese grossartigen Diener Gottes an einem Tag das Rote Meer teilen, einen Riesen töten oder Feuer vom Himmel fallen lassen und am nächsten Tag wütend, ungerecht oder verängstigt sein? Die Antwort ist einfach: sie waren menschlich. Hier liegt auch schon das Problem, wenn wir versuchen, Götzen aus christlichen Leitern, Freunden, Verwandten oder irgendjemandem zu machen. Sie sind alle menschlich. Die haben Füsse aus Ton. Sie werden uns letztlich enttäuschen. Vielleicht sagt uns Gott deshalb, uns nicht untereinander zu vergleichen und nicht über andere zu richten (2. Kor 10,12; Mt 7,1). Wir müssen zuerst auf Gott schauen. Dann müssen wir auf das Gute in denen schauen, die ihm dienen und folgen. Wie können wir jemals das Ganze eines Menschen erkennen, wenn wir nur einen kleinen Teil von ihm sehen? Nur Gott sieht die Menschen ganz und zu allen Zeiten ihres Lebens. Hier ist eine Parabel, die das verdeutlicht.

Der Baum in all seinen Jahreszeiten

Ein alter persischer König wollte einmal seine Söhne davor warnen, voreilige Urteile zu fällen. Auf seinen Befehl hin machte der älteste Sohn eine Reise im Winter, um einen Mangobaum zu sehen. Der Frühling kam und der nächste Sohn wurde auf die gleiche Reise geschickt. Im Sommer folgte der dritte Sohn. Als der jüngste Sohn ihm Herbst von seiner Reise zurückkehrte, liess der König seine Söhne zu sich rufen und den Baum beschreiben. Der erste sagte: Es sieht aus wie ein alter verbrannter Strunk. Der Zweite wiedersprach: Er sieht filigran aus und hat Blüten wie eine schöne Rose. Der dritte erklärte: Nein, er hatte ein prächtiges Blätterwerk. Der vierte sagte: Ihr seid alle falsch, er hat Früchte wie Birnen. Alles, was ihr sagt ist richtig, sagte der König: weil jeder von euch den Baum zu einer anderen Zeit gesehen hat! So gilt für uns, wenn wir die Gedanken eines anderen hören oder seine Taten sehen, müssen wir unser Urteil so lange zurückhalten, bis wir sicher sind, alles erfasst zu haben. Erinnert euch an diese Fabel. Wir müssen den Baum in all seinen Zeiten sehen.

von Barbara Dahlgren


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