Die Minen König Salomos (Teil 13)

„Ich bin ein Kämpfer. Ich glaube dieses Auge-um-Auge-Zeugs. Ich halte meine Wange hin. Ich habe keinen Respekt für einen Mann, der nicht zurückschlägt. Wenn du meinen Hund tötest, dann solltest du deine Katze in Sicherheit bringen.“ Dieser Ausspruch ist vielleicht lustig, aber gleichzeitig ist diese Haltung vom früheren Boxweltmeister Muhammad Ali eine, die viele Menschen teilen. Ungerechtigkeit widerfährt uns und manchmal schmerzt es so sehr, dass wir nach Vergeltung verlangen. Wir haben das Gefühl betrogen oder scheinen, gedemütigt worden zu sein und wollen uns dafür rächen. Wir wollen die Schmerzen, die wir erfahren, unseren Gegner fühlen lassen. Wir planen vielleicht nicht unseren Widersachern körperliche Schmerzen zuzufügen, aber wenn wir ihnen psychisch oder emotional durch ein wenig Sarkasmus oder die Verweigerung zum Gespräch, Schmerzen zufügen können, dann wird auch unsere Rache süss sein.

»Sprich nicht: „Ich will Böses vergelten!“ Harre des HERRN, der wird dir helfen« (Spr 20,22). Rache ist nicht die Antwort! Manchmal fordert uns Gott dazu auf, schwierige Dinge zu tun, nicht wahr? Bleiben Sie nicht bei Ärger und Rachegefühlen stehen, denn wir haben einen unbezahlbaren Schatz – eine lebensverändernde Wahrheit. „Harre des Herrn“. Lesen Sie nicht zu schnell über diese Worte hinweg. Meditieren Sie über diese Worte. Sie sind nicht nur ein Schlüssel im Umgang mit den Dingen, die in uns Schmerzen und Bitterkeit und Ärger hervorrufen, sondern stehen im Mittelpunkt unserer Beziehung mit Gott.

Wir wollen aber gar nicht warten. Im Zeitalter von Coffee-to-go, SMS und Twitter wollen wir alles jetzt und sofort. Wir hassen Staus, Warteschlangen und andere Zeiträuber. Dr. James Dobson bezeichnet es folgendermassen: „Es gab eine Zeit, in der es einem egal war, ob man die Kutsche verpasste. Man nahm sie einfach einen Monat später. Wenn man heutzutage bei einer Drehtür auf die Öffnung warten muss, steigt Unmut auf!“

Das Harren, das in der Bibel beschrieben wird, hat nichts mit dem zähneknirschenden Warten an der Supermarktkasse zu tun. Das hebräische Wort für Warten ist „qavah“ und bedeutet auf etwas hoffen, etwas erwarten und beinhaltet das Konzept der Vorfreude. Das gespannte Warten der Kinder darauf, dass die Eltern am Weihnachtsmorgen aufstehen und sie ihre Geschenke öffnen dürfen, illustriert diese erwartende Vorfreude. Leider hat das Wort Hoffnung in heutiger Zeit seine Bedeutung verloren. Wir sagen Dinge wie „Hoffentlich bekomme ich den Job.“ und „Hoffentlich regnet es morgen nicht“. Doch diese Art von Hoffnung ist eine hoffnungslose. Das biblische Konzept von Hoffnung ist eine selbstbewusste Hoffnung darauf, dass etwas geschehen wird. Man erwartet, dass etwas mit vollkommener Sicherheit geschehen wird.

Wird die Sonne wieder aufgehen?

Vor vielen Jahren verbrachte ich einige Tage mit Wandern in den Bergen von Drakensburg (Südafrika). Am Abend des zweiten Tages schüttete es aus Eimern und als ich eine Höhle gefunden hatte, war ich pudelnass und meine Streichholzschachtel war es auch. An Schlaf war nicht zu denken und die Stunden wollten nicht vorüber gehen. Ich war müde, durchgefroren und konnte es gar nicht abwarten, dass die Nacht zu Ende ging. Habe ich daran gezweifelt, dass die Sonne am nächsten Morgen wieder aufgehen würde? Natürlich nicht! Ich habe ungeduldig auf erste Zeichen eines Sonnenaufgangs gewartet. Um vier Uhr morgens zeichneten sich die ersten Lichtstreifen am Himmel ab und das Tageslicht brach an. Die ersten Vögel zwitscherten und ich war sicher, dass meinem Elend bald ein Ende gesetzt würde. Ich wartete mit der Erwartung, dass die Sonne aufgehen und ein neuer Tag anbrechen würde. Ich wartete darauf, dass die Finsternis dem Licht weicht und die Kälte durch die Wärme der Sonne ersetzt wird (Ps 130,6) Sicherheit Erwartung Vorfreude Durchhalten Freude. Genau darum geht es beim Warten im biblischen Sinn. Aber wie wartet man eigentlich? Wie harrt man des Herrn? Machen Sie sich bewusst, wer Gott ist. Sie wissen es!

Der Hebräerbrief beinhaltet einige der ermutigendsten Worte der Bibel über das Wesen Gottes: „lasst euch genügen an dem, was da ist. Denn der Herr hat gesagt: »Ich will dich nicht verlassen und nicht von dir weichen«“. (Hebr 13,5). Laut griechischer Experten wird diese Passage übersetzt in die Worte „Ich werde dich nie, nie, nie, nie, NIEMALS verlassen.“ Was für ein Versprechen unseres liebenden Vaters! Er ist gerecht und er ist gut. Was lehrt uns nun der Vers aus Sprüche 20,22? Trachte nicht nach Rache. Warte auf Gott. Und? Er wird dich erlösen.

Ist Ihnen aufgefallen, dass eine Strafe für den Widersacher nicht erwähnt wird? Ihre Erlösung steht im Mittelpunkt. Er wird sie erretten. Das ist ein Versprechen! Gott wird sich der Sache annehmen. Er wird die Dinge wieder in ihre rechte Bahn lenken. Er wird es zu seiner Zeit und auf seine Art und Weise klären.

Es geht nicht darum, ein passives Leben zu führen oder darauf zu warten, dass Gott alles für uns erledigt. Wir sollen eigenverantwortlich leben. Wenn wir vergeben müssen, dann müssen wir auch vergeben. Wenn wir jemanden zur Rede stellen müssen, dann stellen wir jemanden zur Rede. Wenn wir uns selbst erforschen und hinterfragen müssen, dann tun wir auch dies. Josef musste auf den Herrn warten, aber während er wartete, tat er das, was er konnte. Seine Einstellung zur Situation und zu seiner Arbeit führte zu einer Beförderung. Gott ist nicht passiv, wenn wir warten, sondern arbeitet hinter den Kulissen, um alle noch nicht vorhandenen Puzzlestücke zusammenzufügen. Erst dann erfüllt er unsere Wünsche, Sehnsüchte und Bitten.

Warten ist für unser Leben mit Gott grundlegend. Wenn wir auf Gott warten, dann vertrauen wir ihm, erwarten ihn und warten auf ihn. Unser Warten ist nicht umsonst. Er wird sich sichtbar machen, möglicherweise anders, als wir es erwartet haben. Sein Handeln wird tiefer dringen, als Sie es sich vorstellen können. Geben Sie Ihre Verletzungen, Ihren Ärger und Missmut, Ihre Trauer in die Hände Gottes. Trachten Sie nicht nach Rache. Nehmen Sie Recht und Gerechtigkeit nicht in Ihre eigenen Hände – das ist Gottes Aufgabe.    

von Gordon Green


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