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Fünf Jahre lang hat mich niemand berührt. Niemand. Keine Menschenseele. Nicht meine Frau. Nicht mein Kind. Nicht meine Freunde. Niemand berührte mich. Sie sahen mich. Sie sprachen mit mir, ich fühlte Liebe in ihrer Stimme. Ich sah Sorge in ihren Augen. Aber ich spürte ihre Berührung nicht.
Ich verlangte nach dem, was für euch alltäglich ist. Ein Händedruck. Eine herzliche Umarmung. Ein Klopfen auf die Schulter, um meine Aufmerksamkeit zu erregen. Ein Kuss auf die Lippen. Solche Augenblicke gab es in meiner Welt nicht mehr. Niemand rempelte mich an. Was hätte ich darum gegeben, wenn mich jemand angerempelt hätte, wenn ich im Gedränge kaum vorwärts gekommen wäre, wenn meine Schulter eine andere gestreift hätte. Aber seit fünf fahren war das nicht geschehen. Wie könnte es auch anders sein? Ich durfte nicht auf die Straße. Sogar die Rabbis hielten sich von mir fern. Ich wurde nicht in die Synagoge eingelassen. Ich war nicht einmal in meinem eigenen Haus willkommen.
Eines Jahres, während der Ernte, hatte ich den Eindruck, dass ich die Sichel nicht mit meiner sonstigen Kraft packen konnte. Meine Fingerspitzen schienen wie taub. Innerhalb kurzer Zeit konnte ich die Sichel noch halten, aber kaum fühlen. Gegen Ende der Hauptbetriebszeit fühlte ich gar nichts mehr. Die Hand, die die Sichel umschloss, hätte genauso gut einem anderen gehören können - ich hatte überhaupt kein Gefühl mehr. Ich sagte meiner Frau nichts, aber ich weiß, dass sie etwas argwöhnte. Wie hätte es auch anders sein können? Ich hielt meine Hand die ganze Zeit an meinen Körper gepresst, wie einen verwundeten Vogel.
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